Ein Vater und seine zwei Hausgeburten

Ich bin sehr glücklich nun endlich den ersten Geburtsbericht eines Vaters veröffentlichen zu dürfen.

Vielen Dank, lieber Vater, dass du immer wieder mit einem breiten Lächeln meinen Fragen zur Verfügung standest. Es hat ein paar Treffen und Rücksprachen gebraucht, bis mein Text deine Geburtsgeschichten darstellte und zu diesem Artikel wurde. Mir ist beim Schreiben mal wieder aufgefallen, wie schwer es ist Gefühle und Stimmung in schriftlicheWorte zu fassen.

Während deiner Erzählung habe ich vor allem Freude gespürt. Mit Vertrauen und Humor waren beide Geburten, trotz Hektik und Aufgeregtheit bei der Zweiten, sehr schöne Ereignisse für dich.

Als die Ärztin uns sagte, das Baby liege richtig, alles sei gut, es dürfe losgehen, war ich beruhigt. Ich war bei jedem Ultraschall sehr besorgt, das Baby könne behindert sein oder irgendetwas stimme nicht. Ich gehe immer vom Schlimmsten aus. Aber dann war ich beruhigt.

Dass meine Frau sich für eine Geburtshausgeburt entschieden hatte, war für mich kein Thema. Es ist ihr Körper, das war ihre Entscheidung.

Ich glaube der Hypnobirthingkurs, den wir zur Geburtsvorbereitung gemacht haben war sehr gut. Sehr gut und wichtig. Wir haben uns viele Geburtsvideos angeguckt, dann weiß man was passiert, was auf einen zukommt. Außerdem haben auch wir Männer gelernt was wir machen können und sollen bei der Geburt: Ruhe bewahren! Ruhig bleiben, das ist das Wichtigste!

Wir haben auch Entspannungs- und Tranceübungen gemacht. Ja, der Hypnobirthingkurs war gut. Teuer, aber gut! Ein Freund von mir, er wohnt in Schweden, sagt, durch eine Geburt muss man irgendwie durch, er möchte das nicht wieder müssen. Ich glaube er hat gar keinen Vorbereitungskurs gemacht. Ich glaube, es ist besser wenn man einen macht, wenn man sich Videos anguckt, dann weiß man was passiert.

Bei der Geburt unseres ersten Sohnes vor zwei Jahren hatte ich keine Angst. Ich hab meiner Frau vertraut, dass sie das schafft. Sie war zwar nicht so in Trance und so leise wie die Frauen in den Videos, aber ich hab gesehen, dass es nicht schlimm für sie war.

Und ich vertraute unserer Hebamme. Wir kannten uns gut. Sie war so entspannt, wirkte gelassen und konzentriert, da wusste ich alles ist okay.

Ich hab meiner Frau stundenlang den Rücken massiert, also gegen ihr Kreuzbein gedrückt. Wir waren zu Hause in unserer Eckbadewanne – meine Frau hatte sich kurzfristig entschieden zu Hause zu bleiben, weil sie nicht mehr aus der Wanne raus und erst recht nicht mehr Auto fahren wollte. Ich saß auf dem Rand, mit den Füßen im Wasser und bin einmal weggerutscht und hab sie aus Versehen getreten. Das war ein Schrecken, sie hatte Sorge, dass dem Baby was passiert sei, aber alles war gut.

Als der Kopf geboren wurde, war er mit der Nabelschnur umwickelt. Die Hebamme half unserem Sohn. Als er dann komplett raus kam, fing ich ihn auf. Das war sehr, sehr schön. Klingt vielleicht komisch, aber das war schön. Darauf kommt es an. Das war der Moment.

Jetzt bei der Geburt unseres Zweiten Sohnes war ich viel aufgeregter. Weil ich mich ja um den Großen kümmern musste und nicht wusste wie er sich fühlen und verhalten würde. Gleichzeitig wollte ich ja aber auch bei der Geburt dabei sein. Diesmal stand von vornherein fest, dass es eine Hausgeburt sein sollte. War es auch, aber ganz anders als die erste.

Meine Frau hatte mich auf der Arbeit angerufen, ich solle zu Hause weiterarbeiten, das Baby würde an dem Tag kommen. Ich fragte sie immer wieder ob sie schon richtige Wellen* habe, aber sie meinte so richtig gehe es noch nicht los.

Als dann die Hebamme da war und meine Frau von der Couch in die Badewanne umzog wurde sie plötzlich lauter und das machte unserem Sohn dann doch Angst und er fing an zu weinen. Wir hatten ihn auf die Geburt vorbereitet, kindgerechte Bücher über Geburt** mit ihm gelesen und sie hatte mit ihm auch immer mal lautes, kräftige Tönen geübt. Aber da wurde ihm es dann zu viel. Also bin ich mit ihm ins Wohnzimmer und habe ihn mit Schnuller und Fernseher beruhigt, ging schnell zur Toilette um dann zu meiner Frau zurück zu kehren.

Während ich ins Gäste-WC ging, rief mich die Hebamme „Kommst du?“ Ich sagte „Ja“, machte aber noch zu Ende. Als ich zurück ins Badezimmer kam, war unser zweiter Sohn schon da!

Ich wusste nicht, dass es schon so weit war! Die Hebamme war doch gerade erst gekommen und sie hat mich zwar gerufen, aber nicht so dringend. Meine Frau meint, die Hebamme war selbst noch gar nicht richtig angekommen. Für sie ging das auch so schnell, dass sie sich nur auf das Baby und die Mutter konzentrieren konnte und vergaß mich rechtzeitig und dringlich genug zu rufen. Also verpasste ich den Moment, als unser Sohn zur Welt kam. Aber ich hatte es ja schon einmal gesehen. Es ist also okay, dass ich es nicht gesehen hab wie er raus kam.

Ich war so überrascht, dachte dann direkt wieder an den Großen, wollte ihm das Baby zeigen, ihn aus dem Wohnzimmer holen. Als ich die Türe aufmachte, war der kleine Mann aber auch schon auf dem Weg zu uns und es gab einen Zusammenstoß zwischen der Tür und seinem Kopf. Er weinte wieder und ich wusste gar nicht genau was ich machen sollte, ihn trösten, ihm das Baby zeigen. Seinen kleinen Bruder. Ich hörte meine Frau in der Badewanne schmunzeln.

Diese plötzliche Geburt hat uns alle so überrascht, dass wir einfach lachen mussten und uns die Situation vorkam wie in einer Komödie.

Als der Große, von meinem Arm aus, seinen kleinen Bruder dann sah war er sehr erschrocken. Erst war Mama alleine in der Badewanne und dann war da auf einmal das Baby. Ich war vor Freude so aufgeregt und hin und her gerissen. Ich wollte den Großen trösten und gleichzeitig doch auch bei dem kleinen sein. Ich hatte doch schon die Geburt verpasst. Letztendlich habe ich ihn wieder vor dem Fernseher glücklich stimmen können und bin zu meiner Frau und unserem neugeborenen Sohn gegangen.

Es währe vielleicht besser gewesen, wenn die Oma da gewesen wäre und den Großen beschäftigt hätte. Aber meine Frau wollte zur Geburt ihre Mutter und auch sonst keinen anderen da haben. Für mich war das etwas schwierig.

Später und die nächsten Tage und Nächte haben wir uns immer wieder alle zusammen oder die Jungs mit der Mama ins Familienbett gekuschelt und dort auch gemeinsam geschlafen. Unser Großer hat sonst immer gut und gerne in seinem Zimmer in seinem Bett geschlafen. Aber jetzt brauchte er mehr Nähe und die gaben wir ihm selbstverständlich gerne. Wir nahmen uns die Zeit uns nun als Vierköpfige Familie neu kennen zu lernen.


*Im Hypnobirthing werden die Kontraktionen der Gebärmutter während der Geburt Wellen gennant.

**  z.B. „Runas Geburt“ von Inga Kamieth Uwe Spillmann


Hat dir der Artikel gefallen? Hast du Anregungen oder Kritik? Schreib sie doch gleich hier unten in die Kommentarbox! Lob und Glückwünsche leite ich herzlich gerne an den glücklichen Vater weiter.

Siehe auch herzohr Nur für Papi

Liken und folgen nicht vergessen 😉

Und denk immer dran: Hör auf dein Herz. Alles Liebe, Claudia ❤

 

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